Wochenhit: Chatroulette und Harley-Davidson.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Kreative neue Ideen mit Werbung vollzustopfen versucht. Nun ist es geschehen: Die Agentur Sassenbach hat die von dem 17-jährigen Russen Andrey Ternovskiy erschaffene Plattform werblich genutzt. Nun kann man das ganz furchtbar kreativ finden und sich ein wenig selbst beweihräuchern. Sicher wird dieser Case auch – bei Awards eingereicht – Preise holen. Bezeichnet wird diese ganze Aktion ja immerhin auch als “Virales Marketing”. Worum geht es aber eigentlich?
Für alle, an denen der Chatroulette-Hype vorbei ging, hier eine Erklärung des Prinzips:
Bei Chatroulette wird man per Zufallsgenerator mit Fremden Chattern verbunden. Man sieht sich dabei über Webcam, und hat auch die Möglichkeit, sich textlich zu unterhalten. Mit einem Klick auf “Next (F9)” hat jeder der beiden Gesprächspartner die Möglichkeit, jederzeit den Chat abzubrechen und einen neuen Partner suchen zu lassen. Soweit die Theorie, die in der Praxis leider etwas anders funktioniert.
Was hat Sassenbach nun damit gemacht?
Die Idee ist simpel: Statt einen User vor einen Rechner zu setzen, hat man die Kamera auf eine CityCard eingerichtet, auf der Werbung von Harley-Davidson steht. Wortlaut: “Sorry, I`m on the Road”. Die Idee ist also so einfach, dass man es eigentlich nicht fassen kann. Nicht ganz greifbar ist dann auch, was sich der Motorradhersteller die Umsetzung dieser Kampagne hat kosten lassen. Gerüchten zufolge spricht man hier über knapp 4.000 Dollar (oder Euro, was sich momentan nicht viel nimmt). Wohlgemerkt: für eine Postkarte mit einer Headline und einem Firmenlogo. Soweit, so gut also.
Wo aber liegt denn jetzt das Problem?
Ganz unter uns: Chatroulette erinnert an die Anfangszeit des privaten und kommerziellen Internet. Was man am häufigsten sieht ist Sex. Nicht einmal deutsche Nachrichtensender sind in ihren Live-Sendungen davor sicher. Auch wenn die Regeln auf der Website sagen, dass es nicht erlaubt ist, sich nackt – bei welchen Handlungen auch immer – zu zeigen, es wird in gefühlten 90% der Fälle ignoriert. Somit ergibt sich jetzt auch das “Problem”: Statt potenzielle Kunden zu erreichen wird die Karte von mehr onanierenden Männern gesehen als von denen, die vielleicht in der Lage wären, sich eine Harley zuzulegen. Auch wenn man im Agentureigenen Film von 170.000 Kontakten pro Woche und vielen lächelnden Menschen spricht. Ob das dem Image der Marke gerecht wird ist eine Sache, ob einem als Auftraggeber das das Geld wert ist, eine andere.
Somit zeigt sich für mich mal wieder, dass Kreativität und Gold-Ideen nicht nur schöne Ideen sind, sondern auch relevant für die Zielgruppe sein sollten. Vielleicht sehen wir aber bald Werbung von Pfizer (Viagra) auf dem Portal, dass dann auch wirklich diese sexuellen Handlungen – von denen man jetzt halten kann was man will – als Grund-Idee hat: Sexroulette. – mt

Bild: http://nexus404.com/


