Der Wochenhit: Klaust Du noch oder Claimst Du schon?
Es sieht nicht gut aus für die Welt. Wo man auch hin schaut, nur Probleme, Katastrophen und Krisen. Auf der Flucht vor dem ganzen Unglück läuft jetzt das Radio, und damit die akustischen Ausläufer einer anderen Krise: nämlich die der guten Claims. Was da außer kaum zu ertragender Musik über den Äther geschickt wird ist hoffentlich nur ein kleiner Spaß. Der gesunde Menschenverstand sagt nämlich, dass man nicht einfach den Claim eines großen schwedischen Unternehmens klaut, um ihn dann mehr schlecht als recht umzusetzen. „Kinder ziehen in der Werbung fast immer“, hat mal ein kluger Kopf gesagt. Das haben wohl auch die Macher des Funkspots vom Autozentrum Rausch auf der Kesselsdorfer Straße gehört. Aber ganz im Ernst, aus „Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ „Fährst Du noch oder rauschst Du schon?“ zu machen geht auch mit kindlicher Sprecherin nicht. Die Kombination Auto–Kind–IKEA–Rausch geht nicht nur nicht, sondern sie rauscht auch geradewegs durch den Kopf.
Hier wurde – wie so oft in Elbflorenz – kreatives Potential verschenkt, und das, obwohl der Name Rausch in Verbindung mit dem Verkauf von Autos unheimlich viele Ergüsse hervorbringen könnte. So geht diese Werbung ins Ohr, bleibt im Kopf, hinterlässt aber nur einen stechenden Schmerz. Und mit dem will doch niemand ernsthaft durch die Welt rauschen. mt.



Mag sein das der stechende Schmerz bei den Rezipienten der Radiosender die den Spot senden gar nicht mehr wahr genommen wird. Also muss es nur noch blöder und absurder sein, damit überhaupt einen Reaktion stattfinden kann. Die Frage ist doch: kluge Absicht, oder dummer Zufall. In jedem Fall ist Publicity, egal ob negativ oder positiv, Publicity. Und damit: gut gemacht!
“In jedem Fall ist Publicity, egal ob negativ oder positiv, Publicity. Und damit: gut gemacht!”
Das würde ich so nicht behaupten. Publicity ist gut, zweifelsohne. Aber negative Aufmerksamkeit kostet Unternehmen in den meisten Fällen viel Geld. Zwei kleine Beispiele:
Als Shell 1995 den schwimmenden Öltank Brent Spar vor der schottischen Küste versenken wollte, gab es – ausgelöst durch Greenpeace – ein großes Medienecho und damit Publicity für die Ölmultis Shell und Esso. Die Reaktion der Verbraucher: Boykott gegenüber Shell-Tankstellen vor allem in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. Zur Folge hatte das Umsatzeinbrüche von 50%, und das bis dahin gute Image war ebenfalls dahin. Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Verbraucher wiederzuerlangen kostete dann zusätzliches Geld.
Toyota und das klemmende Gaspedal sorgen auch für Publicity. Sogar für soviel, dass sich das erste Mal in der Geschichte der Konzernchef zu Wort meldet, und dem amerikanischen Kongress Rede und Antwort stehen muss. Also abgesehen davon, dass eine große Rückrufaktion gestartet und betroffenen Fahrzeuge repariert werden müssen, sinkt das Vertrauen in die Marke und muss erst wieder aufgebaut werden. Negative Publicity, und nicht gut gemacht.
Wenn man sich mal ernsthaft damit auseinandersetzt, was Imagekampagnen kosten, dann kann man nicht behaupten, dass negative Publicity was Gutes ist.
Und das Radiowerbung oftmals nervig, schreiend, laut und “irgendwie schlecht” ist, heißt noch lange nicht, dass das so zu sein hat. Das es auch anders, nämlich kreativ und mit Tiefgang, geht, zeigt die Kampagne für Radiowerbung selbst.
Etwas überzogen, der Vergleich eines Autohauses mit Shell oder Toyota, denke ich.
mt, vergleichst du grade das autohaus rausch mit shell und toyota?
also ich muss sagen, auch wenn es schlecht “geklaut” äähh “kopiert” ist, es hat etwas markantes, einprägendes – diese nuschel kinderstimme und das gezogene sch. und in der flut von gleichen radiospots (ich hab 3 jahre berliner radiowerbung hinter mir, ich weiß wie schlimm das sein kann) ist das doch eher so ein “sympathischer” ankerpunkt im radiowerbeblock. -> positive wirkung, ziel erreicht?!
@ xy & mcnesium
Nein, ich vergleiche weder Shell noch Toyota mit Rausch.
Meine Antwort bezog sich auf die Aussage: “In jedem Fall ist Publicity, egal ob negativ oder positiv, Publicity. Und damit: gut gemacht!”
Meiner Ansicht nach ist es eben nicht egal, ob die öffentlichen Reaktionen durch positive oder negative Assoziationen zur Marke ausgelöst werden.