Belgische Agenturen treten in den virtuellen Streik.

Wie das Magazin Horizont heute erklärt, sind die großen belgischen Werbeagenturen in einen virtuellen Streik getreten. Angeführt vom Agenturenverband ACC Association of Communication Companies haben die Kommunikationsdienstleister ihre Homepages durch eine Art virtuellen Kettenbrief ersetzt. Hintergrund der Aktion sind die gängigen Pitch-Manieren großer Kunden. Der Kettenbrief erscheint jeweils bei den teilnehmenden Agenturen auf der Startseite. Das Schreiben setzt sich dann auf den Seiten der anderen Agenturen fort. An der Aktion haben sich sowohl Networks wie Saatchi & Saatchi und BBDO, als auch inhabergeführte Agenturen wie Punta Linea und Famous beteiligt. Ziel soll es sein, Agenturen und Auftraggeber zum Nachdenken anzuregen und insbesondere die Kommunikationsdienstleister dazu zu bewegen, sich in Pitches wieder etwas fairer zu verhalten und sich nicht auf Wettbewerbspräsentationen einzulassen, bei der mehr als drei Agenturen (exklusive Etathalter) gegeneinander antreten müssen.

Anm. der Redaktion:

Die karge Bereitschaft für Pitches Geld auszugeben ist allerdings nicht nur bei großen Pitches und großen Agenturen ein Problem. Stellt doch auch hierzulande dieser Umgang mit Kreativdienstleistungen die ein oder andere Agentur vor die Wahl, ob man nun am Pitch teilnimmt oder nicht. Welches Unternehmen kann es sich schon auf Dauer leisten in solche Vorleistung zu gehen. Schliesslich müssen auch dafür Mitarbeiter abgestellt werden und die investierte Zeit ist meist nicht zu knapp! Und mal ehrlich, haben wir es nicht alle schon erlebt an einer Ausschreibung teilzunehmen und am Ende stand der Gewinner ohnehin schon vorher fest?! Alte Seilschaften und Verbindungen zum Kunden und fehlende Transparenz verhindern ein Fairplay auch in unserer kleinen Medienstadt Dresden. Ebenfalls hat sich unter den Firmen und Unternehmen die Angewohnheit verbreitet auf die Vergütung komplett zu verzichten! Getreu dem Motto – Was nichts kostet ist auch nichts wert. Für einen unbezahlten Pitch gibt es jedenfalls kein Argument. Es gehört zum guten Ton, das Engagement der Agentur wenigstens symbolisch zu honorieren.

Facebook Comments

6 Responses to “ Belgische Agenturen treten in den virtuellen Streik. ”

  1. Andreas Schanzenbach on 10. Februar 2010 at 13:38

    Ich kann diesem Artikel inklusive Kommentar nur beipflichten. Dennoch vermisse ich auch noch einen Aspekt und zwar dass ja oft auch die Anfragen/Pitches/Briefings selbst Grotten schlecht sind. In meiner Sicht gehört das eben auch zum guten Ton, dass man mindestens genauso viel Kraft und Zeit in die Anfrage steckt, wie man es auf der anderen Seite von einem potenziellen Partner verlangt. Ich würde sogar behaupten oft ist dass neben Seilschaften der Hauptgrund für Fehlentscheidungen, denn oft genug entscheidet lediglich der eigene persönliche Geschmack.

    Zusätzlich scheint es auch oft ein Wettrennen nach dem BESTEN zu geben und nicht nach dem am besten geeigneten! Und das macht ebenfalls einen großen Unterschied.

    Last but not least – sollte man generell von Pitches Abstand halten, die nur darauf abzielen den “günstigsten” Anbieter zu finden, denn “wer mit Erdnüssen bezahlt wird vom Affen bedient!” ;)

  2. Ronny Ullrich on 11. Februar 2010 at 20:07

    Es gibt noch eine ganz andere Unart, die sich zwar selten zeigt dafür aber schon als dreist bezeichnet werden kann. Ein potentieller Auftraggeber lädt zum Pitch und nutzt die eingereichten Präsentationen der Agenturen gleich als kreatives Pfund und Inspiration für später ohne scheinbar darüber nachzudenken, ob sein Handeln nicht etwa gegen das Urheberrecht verstößt. Nach dem Motto, in der Ausschreibung finde ich den günstigsten Partner und die besten Ideen, wenngleich nicht beide Punkte von der selben Agentur erfüllt werden müssen.

    Fair Play und Maßhaltigkeit sind wichtige Tugenden.

  3. Michael on 18. Februar 2010 at 17:44

    Ok, wenn ihr das nächste Mal in die Werkstatt geht und euch einen Kostenvoranschlag machen lasst, dann bezahlt ihr auch die 50 Euro für die Werkstatt und bei Handwerkern und Baubetrieben macht ihr das dann sicher auch?!
    Grundsätzlich gebe ich euch Recht, aber geht mal davon aus, dass es so läuft wie in der realen Welt auch. Daran werden Streiks oder ähnliches auch nichts ändern. Einzige Möglichkeit ist doch die: Aufwand des Pitches wird für die Nr. 2 bezahlt, alle anderen gehen leer aus (Nr. 1 bekommt halt den Auftrag).

  4. Tino on 20. Februar 2010 at 20:28

    Und trotzdem – es bleibt der teilweise unverhältlich große Aufwand je nach Größe des Pitches. Wir reden ja hier nicht von Arbeiten die ein einzelner Mitarbeiter (z.B. KfZ-Werkstatt)anfertigen kann, sondern von Konzeptionsarbeiten wo Agenturen schnell mal 2-5 Mitarbeiter abstellen müssen. Besonders bei zu vergebenden Etats ist das ja notwendig. Da werden Mitarbeiter für Konzeption, Grafiker fürs Design & Scribbles und MA zur Kalkulation der technischen Umsetzung benötigt. Das summiert sich sehr schnell und man muss sich zwangsläufig dadurch die Frage stellen: Kann man oder kann man nicht teilnehmen. Das schieben die Unternehmen gerne auf die Agenturen ab. Und das darf nicht sein. Für die erste Runde – dem Darstellen der Fähigkeiten, gebe ich Dir völlig Recht. Ab der zweiten Stufe jedoch – beim Unterbreiten des Konzeptvorschlages muss dieser honoriert werden.

  5. Emmanual on 31. März 2010 at 20:33

    Wenn Du auf der Unternehmensseite sitzt und pitcht, sieht das so aus: 3 Agenturen kommen, frisch frisiert und gestylt, einer ist toller als der andere, alle können alles gleich gut und erzählen was vom Pferd. Außerdem sind die sich ja untereinander alle nicht grün und machen sich madig… Ist die Tinte trocken, kommt dies: Hochschulabsolventen in Agenturen machen ohnehin alles mit Links und sind keine Sparringspartner für die erfahrenen Partner auf Unternehmensseite und das Produkt kommt vom Praktikanten. Würdet Ihr da gerne zahlen?

  6. Emmanual on 31. März 2010 at 20:40

    Emmanual

    … oder so: Du fragst als mittelständisches Unternehmen eine Agentur nach einem Angebot. Zuerst wird nach dem Budget gefragt. Wenn es nicht mindestens sechsstellig ist, bekommt man sehr arrogant und lässig zu hören “Na mit dem Etat werden sie nicht weit kommen”. Klick, den Hörer aufgelegt und gähnende Leere im E-Mail-Postfach. Wenn man dann mit einer mutigen Agentur klein anfängt und ausbaut, stehen die lässigen ein Jahr wieder auf der Matte…No chance… Irgendwie werde ich das nie kapieren…

Leave a Reply

Agenturfinder:

Archive